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ANTONIA PÖHLMANN | KÜNSTLERISCHER ANSATZ

Es gibt keine Trennung zwischen Leben und Kunst. Ich bin Abenteurerin.

Meine Arbeiten sind Abbilder dessen, was ich gehört, gelesen, gefühlt und gedacht habe.

Die Folge einer Art von Notwendigkeit, Alles wieder von mir geben zu müssen, was ich aufgenommen habe.

Den künstlerischen Prozess muss man sich so vorstellen wie bei einem Kanarienvogel; wenn man anfängt, Staubzusaugen, fängt er sofort an zu trällern.

Er hört sich nicht so an wie ein Staubsauger, hatte es aber so gemeint.

Mein Forschungsansatz ist der einer friedlichen Irren, die Grenzen sucht, sie übertritt und beobachtet, was dann passiert.

Ich formuliere die Dinge ohne den Filter der Sitte und beobachte, was passiert.

Meistens schafft es nur Verwirrung.

 

Eine künstlerische Auseinandersetzung

 

Mein Vater sagt, das, was ich tue, bezeichne man als Idiotismus. Wann ich also damit aufhöre, ist seine Frage.

Ich bin neununddreissig Jahre alt.

Ich frage ihn: Weißt du, was der Unterschied ist zwischen dir und mir?

Er: Nein.

Ich: Der Unterschied zwischen dir und mir ist der, dass ich für meinen Idiotismus ein Diplom mit Auszeichnung bekommen habe.

Er lacht und sagt: Das stimmt.

 

Idiotismus

 

Idios – eigen, eigentümlich, besonders

Idiotes – Privatmann, einfacher Mensch, ungeübter Laie, Stümper

Im heutigen Sprachgebrauch finden wir in Lexika unterschiedliche Deutungen des Begriffes Idiotie bzw. des Idioten:

- als medizinischen Fachausdruck; angeborene oder in früher Kindheit erworbener, hochgradiger 

  Schwachsinn

- große Dummheit

- jemands Ärger oder Unverständnis hervorrufender, törichter Mensch

In der Definition erweitert

  • ein Mensch, der in seinem Verhalten, seinen Äußerungen, seinem Äußeren, seinem Wissen oder Unwissen,inseiner Wahrnehmung oder seinen moralischen Empfindungen konträr zum Gemeinsinn, zur Mehrheit steht.

  • Ein Mensch, der in einem Irrtum lebt.

  • Ein Mensch, dem es an der Eigenschaft mangelt, die sonst dem menschlichen Wesen eigen ist, sich in sein Gegenüber zu verwandeln, um zu überleben.

Daraus folgt die Definition der Idiotie als Gegenteil von Macht. Hier steht der Idiot im Gegensatz zum Revolutionären, welcher bewusst darauf verzichtet, sich zu verwandeln, um die Form zu sprengen.

 

 

Idiotie als extremste Form von Ichheit; die Vergegenständlichung des Selbst. (F. Schuh).

 

Kunst als Ausdruck einer selbstbewussten Idiotin oder/und Revolutionärin, die versucht, ihre Eigenheiten und ihre Wahrnehmung gegenüber dem Gemeinsinn durchzusetzen, ohne dabei unterzugehen.

Das dominierende Motiv ist die Liebe und Suche nach persönlicher Integrität.

Die Suche nach dem Eigenartigen, dem Speziellen, dem Verletzlichen; das Versehrte, das Vergängliche.

Das Vollkommene interessiert mich nicht.

 

Kommunikation

Meine Arbeiten sind Kurzgeschichten, entstanden aus dem unerschütterlichen, idiotischen Glauben, dass da jemand ist, der das hören und sehen will und sollte.

 

„ Der Wasserhahn in meiner Zelle tropft, und heute habe ich während des Wartens zweitausendneunhundertundacht Tropfen gezählt. Auf einen Zeitraum von zwölf Stunden gesehen entspricht das in etwa einem Tropfen alle fünfzehn Sekunden.“

Samantha Hunt; Nixenkuss